Work & Travel in Australien (2023)
Arbeiten und nebenbei durch Down Under reisen ist schon seit vielen Jahren bei jungen Erwachsenden z.B. als Gap Year nach dem Abi hoch im Kurs. Aber auch während einer Welt- oder Langzeitreise kann man einen Abstecher nach Australien machen und seine Reisekasse dort wieder auffüllen. Das Konzept ist an sich einfach nur easy, denn es ist wirklich darauf ausgelegt, dass junge Reisende einfach mal 3 Wochen hier oder 3 Wochen dort arbeiten und weiterreisen, wenn ihnen danach ist. Dafür gibt es extra Casual-Verträge, man verdient hier einen höheren Stundenlohn als Festangestellte, hat aber keinen Anspruch auf Urlaub oder Entlohnung bei Kranktagen. Außerdem gibt es keine Kündigungsfristen, was das ganze so einfach macht. Dennoch gibt es im Vorfeld einiges vorzubereiten und zu beachten.
Folgendes Bild steht dabei sinnbildlich für DAS echte Australien-Abenteuer nach dem Arbeiten: Leben im Camper - immer on the Road.
Gerade nach der Covid-Zeit haben viele ein Working Holiday Visum in Anspruch genommen und die Konkurrenz während der Bewerbungen für Stellen ist groß.
Wir verbrachten das ganze Jahr 2023 in Australien und ich habe so einiges an Tipps und Tricks sammeln können, die dir für dein Working Holiday nützlich sein können!
Die wichtigsten Fakten auf einen Blick:
Visum für Deutsche Staatsbürger: Working Holiday (Subclass 417) Visa: Hier beantragen
Alter von mindestens 18 bis 30 Jahren (für einige Herkunftsländer wie z.B. England bis 35 Jahre)
Das heißt: man MUSS das Visum bis zum 31. Lebensjahr beantragt haben, Einreisen kann man auch mit 31 Jahren
Nach Beantragung und Genehmigung hat man 12 Monate Zeit einzureisen
Kosten: einmalig 635 AUD (ca. 388€)
Man darf sämtliche Short-Term Jobs annehmen und bei einem Arbeitgeber bis zu 6 Monate am Stück arbeiten
Als Working Holiday Maker zahlt man nur 15% Steuern (die man mit der Steuererklärung später sogar zurückbekommt)
Sofern man noch jünger als 31 Jahre ist hat man die Möglichkeit das Visum um ein 2. und 3. Jahr zu verlängern, hierfür qualifiziert man sich durch je mindestens 3 oder 6 Monate Arbeit in sogenannten ‘rural Areas’, also in abgelegenen Gegenden, wie z.B. auf Farmen im Outback
Alle weiteren wichtigen Infos findest du hier auf der offiziellen Homepage der australischen Immigration.
Vor dem Antritt der Reise nach Australien:
Natürlich erstmal das Working Holiday Visum beantragen (hier). Generell sollte die Genehmigung recht flott gehen, unseres war innerhalb von 12 Stunden genehmigt. Dennoch ist es natürlich immer gut, sich früh genug darum zu kümmern. Für die Beantragung des Visums benötigst du außerdem einen Nachweis darüber, dass du mindestens über 5000AUD, also ca. 3100€ auf dem Konto verfügst. Damit möchte man sichergehen, dass du im Falle des Falles genügend Geld hast um einen Flug aus Australien nach Hause buchen zu können.
Natürlich kann es auch nicht schaden, schon mal ein Resume, also einen Lebenslauf anzulegen, bevor man einreist. Spart Zeit. Diese sehen in Australien ein wenig anders aus. Ein Anschreiben hat deutlich weniger Gewicht als der Lebenslauf an sich. Außerdem legen die Australier viel wert auf Empfehlungen von früheren Arbeitgebern, man hinterlässt auf dem Lebenslauf also immer Name, Adresse und Telefonnummer des früheren Vorgesetzten. Während unserer Zeit in Australien habe ich nicht selten gehört, dass man wirklich versucht, den alten Arbeitgeber zu kontaktieren und sich nach dir zu erkundigen.
In einem australischen Lebenslauf darfst du übrigens auf Alter und Geschlecht verzichten, dies spielt im Bewerbungsverfahren keine Rolle.
First Steps in Australien:
Beantragung einer Tax File Number (hier), hierzu benötigst du eine Adresse über deinen Wohnsitz in Australien, frag einfach in deinem Hostel nach, ob du deren Adresse verwenden darfst, die kennen das sicherlich schon. Die Tax File Number wird dann außerdem postalisch an diese Adresse gesendet.
Eröffnung eines Bankkontos: Wir haben uns für ein Konto bei der Westpac entschieden, dieses war für 1 Jahr kostenlos. Die bessere Lösung ist aber das Konto von Wise, dieses ist ein reines Onlinekonto und bietet die besten Umrechnungskurse für deine verdienten Australischen Dollar, die du ja vermutlich irgendwann in € konvertiert haben möchtest. Falls du dich für ein Konto bei Wise entscheidest, nutze gerne unseren Einladungslink, du würdest uns damit unterstützen, hast aber keine Nachteile.
Ist dein Konto eröffnet und deine Tax File Nummer ist bei dir angekommen, kann die Bewerbungsphase losgehen. Die typischsten Backpacker-Jobs (Working Holiday Maker werden liebevoll Backpacker genannt) in Australien sind die in den Bereichen Hospitality, also in der Gastro oder eben auf Farmen, um sich für das 2. Jahresvisum zu qualifizieren. In den Städten arbeiten die meisten Backpacker in Restaurants, Cafés oder Bars und haben häufig sogar 2 Jobs gleichzeitig. Die Australier sind das gewohnt und die Schichten werden einfach an die des jeweilig anderen Jobs angepasst. Für das Arbeiten in einer Bar benötigt man ein RSA (Responsible Service of Alcohol) Zertifikat. Dieses Zertifikat erwirbt man durch einen Online Kurs, hier gibt es viele Anbieter. Achte hierbei am Besten darauf, dass dein Zertifikat direkt für ganz Australien gültig ist und nicht nur z.B. für den Staat Victoria. Denn dann müssten du im Falle eines Ortswechsels nach z.B. Queensland ein neues Zertifikat erwerben.
Online findet man Jobs über Portale wie Seek, Indeed, Gumtree oder hauptsächlich auch Facebook Gruppen für Backpacker in Australien. In den Städten an sich ist es aber das Beste, Bewerbungen persönlich in der jeweiligen Gastronomie vorbeizubringen. Generell suchen die Lokalitäten immer Personal, schreiben dies aber selten online aus. Geh also persönlich hin, stell dich vor, aber gib deinen Lebenslauf nur dem Manager, um sicher zu gehen, dass er ankommt. Häufig wird man dann zu einem Probearbeiten eingeladen.
Bei Jobs auf Farmen oder in Roadhouses im Outback ist dies natürlich eher weniger üblich. Die Arbeitgeber suchen gezielt nach Backpackern, die dann auch einige Monate vor Ort bleiben um ihre tage für das 2. Jahresvisum zu sammeln. Bei diesen Jobs ist so gut wie immer eine Unterkunft inklusive. Solche Jobs findest du fast ausschließlich in dafür vorgesehenen Facebookgruppen.
So viel zu den generellen Dingen. Kommen wir nun zu meinen persönlichen Tipps, denn wenn du wirklich gutes Geld verdienen und sparen willst, muss man bei den hohen Lebenshaltungskosten in Australien wirklich einiges beachten.
In Arbeitsdress beim Kellnern auf einer Hochzeit
Meinen ersten Job nahm ich in Melbourne an. Da ich in Deutschland im Bereich der Lebensmittelproduktion als Abteilungsleitung tätig war dachte ich, meine Erfahrung würde mir hier einen guten Job in diesem Bereich bringen. Es brachte mir definitiv einen Job in der Lebensmittelbranche - gut war er hingegen nicht unbedingt. Positiv waren meine Arbeitszeiten, denn diese waren geregelt und ich kam jede Woche auf 38,5 Stunden, was nicht in allen Jobs so üblich ist. Häufig müssen Backpacker kämpfen, um auf genügend Stunden zu kommen. Ich verdiente 32AUD pro Stunde - auch kein schlechter Lohn. Die Zustände im Betrieb waren aber weitaus andere, als ich sie aus Deutschland gewohnt war. Harte, körperliche Arbeit vor allem für Frauen. Viel Bücken, viel Stehen in Gummistiefeln bei 35°C und hoher Luftfeuchtigkeit, mäßige Arbeitssicherheit und raues Arbeitsklima. Aber gut - wieder eine neue Erfahrung, man lernt ja nie aus. Während dieser Zeit in Melbourne mieteten wir uns ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft - Fehler! Warum fragst du dich? Zimmer, AirBnBs und co sind unfassbar teuer in Australien. Wenn man wirklich Geld ersparen möchte, sollte man unbedingt nach anderen Möglichkeiten Ausschau halten. Wir zahlten für unser Zimmer 360AUD Miete pro Woche für 2 Personen. Ich verdiente etwas mehr als 1000AUD pro Woche, mit Lebensmitteln, Öffies zur Arbeit und co. Bleibt zwar noch was über, aber man möchte ja wirklich ein wenig Plus machen im Land. Das war hier nicht unbedingt optimal.
Als Produktionsmitarbeiter in einer australischen Molkerei
Der beste Job in Australien ist folglich immer der, bei dem du nicht für deine Unterkunft aufkommen musst, oder zumindest nur ein wenig Geld pro Woche zahlst. Und so kommen wir schon zu unser 2. ‘Arbeitsverhältnis’. Wir zogen zu einer Familie in die Nähe von Brisbane. Ich arbeitete ca. 20 Stunden pro Woche als Au Pair gegen gestellte Unterkunft und 200AUD für Lebensmittel. Etienne arbeitete gleichzeitig auf der Baustelle der Familie, konnte Stunden ohne Ende machen und wir sparten das erste Mal so richtig Geld an.
Aber es geht immer noch besser. Zufällig fand ich an ein und dem selben Tag 2 Jobs in einer Facebookgruppe:
Einer davon Kellner auf Hochzeiten, im zugehörigen Restaurant und Cafe des Gastronomiebetriebes, der andere als Mitarbeiter eines Futtersilo-Bauunternehmens für Silos auf Farmen im Outback. Etienne bewarb sich auf beide Stellen, ich nur auf die als Kellner. Wir bekamen quasi alle 3 Zusagen! Da wir zu dem Zeitpunkt bereits ein zum Camper ausgebautes Auto hatten konnte ich mit Sack und Pack auf den Campingplatz meines Arbeitgebers ziehen und hatte keine Kosten mehr für eine Unterkunft. Sogar eine Mahlzeit wurde mir pro Schicht gestellt, so dass meine Kosten für Lebensmittel minimiert werden konnten.
Set Up einer Hochzeit, auf der ich kellnerte
Zu jeder Schicht bekam ich auch eine Mahlzeit, vom Buffet auf den Hochzeiten oder ein Gericht vom A la Carte Menü - so lecker!
Bei Etienne lief es aber eigentlich noch besser. Sein ‘Schichtmodell’ besagte: 21 Tage am Stück für 11 Stunden je Tag arbeiten, dann eine Woche frei. Für die 21 Tage war er natürlich im Outback, bekam aber eine Unterkunft gestellt und sogar noch 50AUD je Tag für Verpflegung. Wir machten hier in kürzester Zeit richtig viel Kohle: Um die 8000€ pro Monat! Und durch die ganze Arbeit hatten wir natürlich auch kaum Zeit, das Geld auszugeben. Noch besser, oder?
Meine freien Tage verbrachte ich während meiner Zeit in Tamborine an der Gold Coast oder in Byron Bay - kein schlechtes Leben, oder?
Ähnlich ist es bei bereits erwähnten Farmjobs oder als Allrounder in Roadhäusern im Outback. Meist ist die Unterkunft hier sehr günstig oder sogar umsonst. Außerdem ist man im Outback und hat quasi keine Möglichkeit, sein verdientes Geld auszugeben.
Wenn du aber dennoch in einer der Städte wie Sydney oder Melbourne arbeiten und leben möchtest, bietet es sich an, sich nach Housesits umzusehen. Ich kenne Backpacker, die es schafften 6 Monate in den Städten zu arbeiten und keinen Cent für ihre Unterkunft ausgeben mussten. Aber was ist Housesitting eigentlich? Aussies, die in den Urlaub fliegen suchen vereinfacht gesagt jemanden, der für Haus und meist auch Haustier aufpasst. Du wohnst also vor Ort und als Gegenleistung kümmerst du dich um die geliebten Haustiere. Tolles System!
Solche Angebote findest du über die Plattformen Trusted Housesitters (sogar weltweit) und Aussie Housesitters (nur Australien).
Vogelblick auf eine australische Farm im Outback
Auto in Australien - ja oder nein?
Wir kauften unser Auto erst nachdem wir schon fast 5 Monate im Land waren. Warum? Wir waren uns nicht sicher, ob wir dieses ‘Risiko’ eingehen wollten und dachten anfänglich, wir kämen auch ohne Auto klar. Aber auch das war ein kleiner Fehler. Australien ist ein Autofahrland. Mit Auto ist man einfach von Anfang an flexibel und kann sich auf Jobs im Outback oder in Gegenden außerdem der Städte bewerben. Ohne eigenes Auto sind viele Jobs schlicht und einfach nicht zu erreichen und Arbeitgeber schließen dich beim Bewerbungsverfahren von vornherein aus. Natürlich ist so ein Auto, das zum Camper ausgebaut ist auch für den Travel-Part nach dem Arbeiten das Nonplusultra.
Unser zum Camper ausgebauter Toyota Landcruiser Prado
Unsere beiden letzten Jobs in Australien waren wirklich super. Wir konnten also viel Geld verdienen, so richtig eintauchen in die Arbeitskultur eines fremden Landes, haben unser Englisch wesentlich verbessern können und tolle Kontakte zu anderen Backpackern, aber auch Aussies gehabt. Trotzdem kann Work&Travel in Down Under auch verdammt hart sein. Mein erster Job in der Lebensmittelproduktion in Melbourne war extrem körperlich und hat leider nachwirkende Folgen für meinen Rücken geschafft. Leider ist das auch bei Farmjobs, zum Beispiel beim Fruit Picking oft der Fall. Die Konkurrenz unter den sich Bewerbenden in außerdem groß und es ist gar nicht so leicht, wirklich gute Jobs zu finden. Aber unser Weg durch Australien hat uns gezeigt, dass es sich immer lohnt, dran zu bleiben und auf die Zähne zu beißen. Ich hoffe also, ich konnte dir mit meinen Tipps ein wenig weiterhelfen.