Mount Agung, Bali - Hike 2024

Mount Agung - Balis höchster Vulkan. Seine 3142m thronen über die Insel und der nahezu perfekte Kegel ist auch aus weiter Entfernung von so vielen Ortschaften aus zu erkennen. Und das nicht nur von Bali aus, sondern auch von den Nachbarinseln Nusa Lembongan, Lombok oder den Gili’s. Bei guten Sichtverhältnissen kann man von den Inseln einen wunderschönen Sonnenuntergang mit Blick auf Agung erleben. 

Aussichtspunkt Bukit Cinta mit View auf Agung

Bei guten Sichtverhältnissen ist Agung sogar von der Nachbarinsel Nusa Lembongang aus deutlich zu erkennen.

Aber wie fange ich diesen Blogpost nun eigentlich an? Mount Agung hat mich von der ersten Sekunde, in der ich ihn erblicken durfte angezogen. Aktive Vulkane versprühen einfach eine Energie, die man erleben muss. Wenn er sichbar war und nicht vom Wolkenkleid behangen konnte ich nicht mehr wegsehen. Erklärt mich für verrückt, aber das ist wohl das berühmte ‘Law of Attraction’ und ich weiß auch, dass ich nicht die Einzige bin, der es mit eben dieser Anziehung von Vulkanen so ergeht.

Sicht auf den Vulkan aus Amed im Osten Balis.

Mir war zunächst gar nicht bewusst, dass Agung zu besteigen ist, besonders populär ist der Hike im Gegensatz zum kleinen Nachbarn Mount Batur oder zu Mount Rinjani auf Lombok auch nicht. Außerdem gilt der über 3000m hohe Vulkan, der 2019 das letzte Mal ausbrach als sehr aktiv und der Aufstieg wird im Internet auf verschiedenen Blogs als extrem anspruchsvoll beschrieben. Dazu aber später mehr.

Mount Agung vom Viewpoint Bukit Cinta aus. 

Mount Agung hat für die hinduistischen Balinesen eine besondere religiöse, wie auch wirtschaftliche Bedeutung. So ist der Berg als Wohnsitz der Götter angesehen und wird auch als Abbild des heiligen Hindu-Berges Meru betrachtet. Auf ca. 1600m Höhe am Hang des Vulkans wurde der Tempel Pura Besikah erbaut. Dieser wird auch als Muttertempel bezeichnet, ist das wichtigste Heiligtum des balinesischen Glaubens und bildet auch den Startpunkt der Wanderung. Er ist außerdem der größte und älteste Tempel der Insel.

Mount Agung - Wohnsitz der Götter. Ihnen zu ehren werden während der gesamten Wanderung, sogar auf der Spitze Rituale gehalten.

Aber auch wirtschaftlich ist Agung von großer Bedeutung. Mit seinen natürlichen Quellen speist er nicht nur mit Trinkwasser, sondern auch die Bewässerungssysteme der Reisfelder. Die Vulkanerde ist außerdem sehr fruchtbar und ein guter Dünger. 

Die Wanderung

Ich hatte mich vor meiner Wanderung nicht grundlegend damit beschäftigt, der Schwierigkeitsgrad z.B.  ist mir fast egal, weil ich einfach super fit bin. Das soll nicht abgehoben klingen, aber wer 12km in Bangkoks Hitze laufen kann, hat mit schweren Wanderungen auch keine so sonderlich großen Probleme. Viel mehr hatte ich mich über Tourenpakete und Preise informiert, so dass ich nach Ankunft in Ubud sofort wusste, bei welchen Agency’s ich nach Touren fragen wollte. Hier gab aber direkt erstmal eine Ernüchterung. Die erste Agency sagte mir, der Vulkan sei derzeit zur Besteigung gesperrt, da zu gefährlich - Nummer 2 und 3 wollten mich nicht alleine raufbringen, sondern baten Touren nur ab mindestens 2 Personen an und ich müsste warten, bis sich eine Gruppe fände. Wir tauschten Whats App Nummern aus, gemeldet hat sich aber keiner. Kurz fand ich mich damit ab, den Vulkan nicht besteigen zu können. Irgendwas in mir wehrte sich aber doch dagegen und mir kam die Idee, meinen lieben Fahrer Hendra zu fragen, der womöglich in ganz Indonesien Kontakte oder Familie hat und ganz sicher auch hier helfen könnte. So war es letzten Endes auch. Er leitete mir die Nummern einiger Guides weiter und ich begann, Tourpakete und Preise anzufragen. Ich entschied mich für den Guide Wayan Darthaa. Er bot mir 3 unterschiedliche Touren an. Du erreichst Wayan unter der Nummer +62 852 3700 8513 per Whats App.

Option 1: Startpunkt Pura Pasar Agung bis zum Kraterrand in 2900m Höhe, nicht aber zum Gipfel - empfohlen für weniger Erfahrene Wanderer, Dauer der Wanderung: 9 Stunden

Option 2: Startpunkt Pura Pasar Agung zum Gipfel in 3142m, Dauer der Wanderung: 12 Stunden 

Option 3: Besakih Tempel zum Gipfel in 14 Stunden

Für mich sollte es Option 2 werden und das Tourpaket beinhaltete die Registrierung für den Hike, Hiking Poles, Stirnlampe und Frühstück und sollte für mich alleine 1.1 Mio IDR kosten, für mich war das ein fairer Preis, in Ubud werden die Touren allerdings auch wesentlich günstiger angeboten - nur eben nicht für eine Einzelperson. Nicht inkludiert war leider der Pick Up. Dieser sollte zusätzlich 800.000 IDR kosten, fast so viel wie die Tour an sich also. Das erschien mir viel zu viel, so dass ich entschied, selbst mit dem Roller zum Startpunkt der Wanderung zu fahren. Dies waren aus Ubud mehr als 1,5 Stunden, die Ersparnis war es mir aber wert. Von Wayan bekam ich genauste Anweisungen, was ich mitzubringen hatte, wo der Startpunkt sei usw.

Am 19.08.24 machte ich mich also gegen 21.30 Uhr von Ubud auf den Weg Richtung Pura Pasar Agung Besikah Tempel. Meeting zu Wanderung ist um 23.30 Uhr Abends, woraufhin man kurze Zeit später startet und die ganze Nacht wandert, um pünktlich zu Sonnenaufgang den Gipfel zu erreichen. Eine Nachtschicht also - aber was für eine. Denn ich hatte mir zufällig keine geringere Nacht ausgesucht als die, in der ein seltener blauer Supermoon aufstieg und die gesamte Wanderung unglaublich erhellte. Ich hatte vorher nie drüber nachgedacht, aber die nächtliche Besteigung des Rinjani Summit war hingegen wirklich einfach nur düster. Falls man also die Möglichkeit hat, eine Nachtwanderung auf die Vollmondnacht oder zumindest in dessen Nähe zu legen, macht das absolut Sinn und lässt den Hike ein wenig angenehmer erscheinen.


In gewohnter deutscher Pünktlichkeit kam ich um kurz vor halb 12 auf dem Parkplatz des Tempels an, Wayan nahm mich in Empfang und versorgte mich mit frittierten Bananen und einem Kaffee. Es fanden sich ein paar andere Wanderer inklusive Guides zusammen, starten tat aber jede Gruppe für sich. 

Mit dem Roller auf dem Weg zum Startpunkt der Wanderung.

Die ersten Meter gingen über Treppenstufen rauf zur Tempelanlage. Hier hielt Wayan ein Ritual zu Ehren des heiligen Mount Agung ab und ich konnte ihm dabei beobachten, bevor die richtige Wanderung startete. Für ca. 1,5 Stunden ging es durch den noch begrünten Teil des Berges hauptsächlich über Sand. Es war in einer Tour steil und durch die Anstrengung wurde mir schnell sehr warm. Von der Rollerfahrt bis auf 1600m war mir vorerst kalt geworden, das war jetzt aber wie vergessen. 

Wir machten einige kurze Pausen, um etwas zu trinken und gelangten nach ca. 1,5 Stunden aus dem bewaldeten Teil des Vulkans heraus. Von jetzt ging es nur noch über Lavagestein, was mir absolut zu Gute kam. Mich auf Geröll zu balancieren fällt mir einfach deutlich leichter, als nur steil bergauf zu gehen. Um 2 Uhr nachts, also nach etwa 2 Stunden wandern war der für mich anstrengendste Teil der Wanderung vorbei, das wusste ich zu dem Zeitpunkt aber natürlich noch nicht. Wir machten hier bei einem Lagerfeuer über den Wolken eine gute Stunde Pause mit einer anderen Gruppe zusammen. 

Lagerfeuer auf etwa 2400m Höhe.

Um 3 Uhr morgens ging es also weiter auf Geröll. Zum Teil mussten wir klettern und nach links oder rechts gucken darf man auf keinen Fall, denn ein falscher Tritt und es geht steil bergab. Nach kurzer Zeit wurden Javas Vulkanketten über den Wolken im Licht des Supermondes klar erkennbar; Mount Ijen und on top der ausbrechende Raung (Infos von meinem Guide). Der Lavastrom war deutlich sichtbar und ich konnte meinen Augen kaum trauen. 

Javas Vulkanketten mit ausbrechendem Raung (Handyfoto).

So eine Sicht und das, obwohl die Sonne noch nicht mal aufgegangen war und wir vom Gipfel noch weit entfernt schienen. Die Betonung liegt hier auf ‘schienen’, Ganz plötzlich war es 5 Uhr morgens und wir waren nur noch gute 20 Minuten vom Gipfel entfernt. Wir waren viel zu schnell unterwegs und die bisherige Wanderung erschien mir wie ein Klacks. Wir machten noch eine längere Pause im Windschatten und aßen Frühstück: Kekse und Toastbrot :-D. 

Kekse und Toast zum Frühstück um 5 Uhr morgens.

Pünktlich zum Sonnenaufgang machten wir uns dann auf die letzten Meter Richtung Gipfel.

Es war noch recht dunkel aber im Osten zeichnete sich ein rot werdender Himmel von der aufgehenden Sonne ab. Der Gipfel des Mount Agung lag vor mir, ebenfalls gehüllt in leichtem rot und nur noch ein paar Meter auf dem Kamm des Vulkans entfernt. Es war sehr windig und frisch, aber der sich mir gebotene Anblick ließ mich wie immer alles um mich herum vergessen. 

Die erste Sicht auf den Gipfel!

Nach einigen Minuten waren nicht mehr nur Javas Vulkanketten zu erkennen, sondern im Osten, der Richtung der aufgehenden Sonne auch Lombok Rinjani, sowie Mount Bang und Batur und dessen Caldera, Mount Agungs Nachbarn auf Bali.

Mount Rinjani auf Lombok im Sonnenaufgang.

Der inaktive Mount Abang und dahinter Mount Batur und dessen Caldera.

Minute für Minute wurde es heller und die Sicht klarer. Was die Natur hier bot, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Ich vergleiche nicht gerne oder finde es schwierig, aber diese Aussicht kommt sicherlich unter meine bisherigen Top 3.

Agungs Gipfelkamm mit Javas Vulkanketten, sowie Mount Abang und Batur

Einige Minuten später schon deutlich von der Sonne angestrahlt

Vulkan Nummer 7 - check!

Bereits gegen 6.45 Uhr machten wir uns auf den Weg nach unten, da es oben doch irgendwann sehr frisch wurde. Für den Abstieg benötigten wir nur knappe 3 Stunden, so dass wir die Wanderung 2 Stunden früher beendeten als geplant. Wir waren also durchaus flott unterwegs.

Das letzte Stück des Hikes wieder über sandigen Boden.

Kurze Zusammenfassung und - wie hart war es denn nun wirklich?

Oben auf dem Gipfel waren inklusive Tourguides Vielleicht 25 Leute - auf dem Rinjani während meiner Besteigung sicherlich das 10fache und auf dem Nachbarn Mount Batur sind es jeden Morgen um die 250 Menschen. Nach wie vor ist es mir ein Rätsel, warum die Besteigung des Agung also so wenig Popularität erlangt hat. Beschweren will ich mich natürlich nicht, eine solche Aussicht in so kleinem Kreise genießen zu können ist absolut einmalig. 

Im Nachhinein habe ich einige Erfahrungsberichte über die Besteigung des Agung gelesen, in denen der Hike als schwieriger als der Trek zum Everest Basecamp beschrieben wird. Hier habe ich natürlich keinen Vergleich und sicherlich war es kein leichter Aufstieg. Mir fiel die Wanderung aber wesentlich leichter als z.B. die Besteigung des Summits vom Mount Rinjani. Vielleicht sind solche Berichte der Grund für so wenig Hiker oder das Angebot der Besteigung des niedrigeren Mount Batur nebenan - ich weiß es nicht. Für mich jedenfalls ist der Aufstieg des Mount Agung einer der tollsten Wanderungen bisher gewesen und es hat einfach nur Spaß gemacht. Die Aussicht auf dem Summit war nur das i-Tüpfelchen. Bemerken muss ich nur, dass man absolut schwindelfrei sein sollte. Beim Blick nach links und rechts während des Wanderns auf Geröll geht es steil bergab. Auch oben auf dem Kamm des Gipfels geht man nur auf einem schmalen Streifen.

Das Honigkuchenpferd von dem immer alle sprechen auf einer ihrer bisher liebsten Wanderungen!

Mein Guide Wayan - bei Interesse an einer Tour erreichst du ihn unter der +62 852 3700 8513 per Whats App

Laura

Hi, ich bin Laura, seit einer ganzen Weile in der Welt unterwegs und habe eine Menge Geschichten von meiner Reise zu erzählen. Ich fühle mich gleichermaßen wohl in den Metropolen dieser Erde wie auch auf den schönsten Inseln am Strand oder bei einer Wanderung in den Bergen. Hier findest du von Allem etwas!

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