Kawah Ijen - Sonnenaufgang auf eigene Faust (2024)
Ich durfte auf meiner Reise schon so viele unglaubliche Landschaften sehen. Es gab immer wieder Momente in denen ich dachte, ‘das kann nicht wahr sein’ und der Sonnenaufgang am Kawah Ijen war genau so einer. Wenn nicht gar einer der Beeindruckendsten, vor allem wenn man sich nur ein wenig mit Entstehung und Hintergründen beschäftigt hat.
Noch während meiner Ausbildung war Chemie mein Endgegnger. Jetzt bin ich froh, dass ich mir damals ein Grundlagenwissen angeeignet habe und nun verstehen kann, was am Ijen Vulkan passiert.
Ijen ist ein Stratovulkan auf Java, der sich in einer Einbruchscaldera von 16km bildete. Diese Caldera gehört zu den weltweit größten, obwohl von ihrer Größe nur noch ein Bruchteil vorhanden ist. Sie ist durch den Einbruch eines Zwillingsvulkanes entstanden. Zu dieser Caldera zählen neben Ijen noch 8 weitere Vulkane.
Dank seinem türkisblauen Kratersee ist Ijen wohl der bekannteste dieses Vulkankomplexes. Aber nicht nur der Kratersee ist besonders; Einzigartig sind auch die sogenannten blauen Flammen, die es nur an 2 Orten weltweit zu bestaunen gibt.
Der Kratersee Kawah Ijen wird von Forschern als das größte Säurefass dieser Erde betitelt. Sein pH-Wert ist unter 0,3, was saurer ist als Batteriesäure. Die türkisblaue Farbe verdankt er dem hohen Gehalt aus Alaun, Schwefel und Gips.
Am Südostufer des Sees befindet sich die bedeutendste Schwefelansammlung Indonesiens und gleichzeitig die zugehörige Schwefelmine.
Die Schwefelmine am Südostufer des Kratersees
Hier entstehen die berühmten blauen Flammen durch Fumarolen (kleine Gasöffnungen im Boden), aus denen Schwefelgase zwischen 195 - 240 °C entweichen. Das ist heiß genug, um den Schwefel zu entzünden. In extrem heißen Zeiten können die Gase bis zu 600°C heiß werden, dann steht der Vulkan kurz vor dem Ausbruch.
Die blauen Flammen sind nur bei Dunkelheit der Nacht erkennbar. Die Mienenarbeiter löschen diese, da sich sonst kleine Feuerflüsse bilden, die bis in den See fließen.
Die berühmten blauen Flammen des Ijen (Ein fettes Danke hiermit an meine liebe Sabi für das zur Verfügung gestellte Bild, da der Abstieg in die Mine während meines Besuchs nicht gestattet war)
Der Job der Minenarbeiter wird auch als ‘der härteste Job der Welt’ bezeichnet. Sie befördern den Schwefel, der durch Rohrleitungssysteme vom gasförmigen in den festen Zustand übergeht den Berg hinab. Zunächst brechen sie Brocken des festen, gelb strahlenden Schwefels mit Eisenstangen ab und sammeln ihn in Körben bis diese voll sind. Pro Ladung befördern sie etwa 70kg Schwefel auf ihren Schultern hinab und das 2x am Tag. Pro Kilogramm bekommen sie 2,50€, ein guter Lohn für indonesische Verhältnisse. Dafür zahlen sie aber mit ihrem Leben, denn aufgrund der giftigen Gase und der hohen körperlichen Belastung werden sie oft nur 40-50 Jahre alt.
Der Schwefel hier zur Schau gestellt in Körben, die die Minenarbeiter auf ihren Schultern den Berg hinunter tragen
On a Sunrise-Mission
Die Besteigung des Ijen zu Sonnenaufgang ist ein Highlight für viele Touristen geworden. Zahlreiche Tourenveranstalter bieten sogar von Bali aus Tourenpakete an. An sich ist es aber absolut kein Hexenwerk, den Sonnenaufgang auf eigene Faust zu erleben. Man spart nicht nur Geld für die Tour, sondern hat auch die Möglichkeit, etwas länger am Kratersee zu verweilen und diesen so fast ganz allein zu genießen, da die Touren den Abstieg größtenteils um 6 Uhr morgens antreten.
Ausgangsort Banyuwangi
Der Ausgangsort für den Vulkankomplex ist die Stadt Banyuwangi an der Ostküste Javas. Kommend von Bali aus kann man den Ort mit der Fähre aus Gilimanuk erreichen oder aus sämtlichen Städten Javas ganz bequem mit dem Zug. Wir kamen aus Balis Hauptstadt Denpasar und buchten eine Art All Inclusive Paket: Busfahrt und Fährfahrt in einem. Auf der Fähre mussten wir den Bus nicht mal verlassen und hatten so eine sehr angenehme, wenn auch lange Anreise. Wir fuhren mit dem Unternehmen Damri, Tickets sind nur direkt vor Ort am Office zu erwerben. Der Bus fährt täglich um 8, 16 und 19.30 Uhr (aktuelle Zeiten am besten vorher über Whats App einholen: +6281121100825) und kostete 180k IDR (ca. 10€).
Das Gesundheitszertifikat
Um vor Ort in Banyuwangi alles zu regeln und nach dem Sonnenaufgangsabenteuer genug Zeit zum Ausruhen zu haben, buchten wir ein Homestay für 3 Nächte. Wenn man es eilig hat reichen aber auf 2 Nächte und man reist direkt nach dem Hike weiter.
Vor dem Hike…
Für den Einlass in den Nationalpark des Ijen benötigst du zunächst ein Gesundheitszertifikat. Dieses kann in jeglichen Kliniken und Krankenhäusern nach ein paar Tests wie Blutdruck messen erlangt werden. Für unseres zahlten wir nur ca. 1,50€. Außerdem brauchst du eine Gasmaske, da die Schwefelgase höchst gesundheitsschädlich sind. Wenn du Glück hast und der Wind steht gut, musst du keinen Gebrauch von ihr machen. Wir liefen aber am Kraterrand einmal genau durch eine Rauchwolke und waren mehr als froh, eine geliehen zu haben. Wenn möglich, leih dir die Gasmaske in deiner Unterkunft, denn dann kommst du günstiger dabei weg als am Einlass des Nationalparks. Meist verlangen die Homestays eine Leihgebühr von 25k IDR, während die Leihgebühr auf dem Berg das Doppelte beträgt.
Rauchwolke aus Schwefelgasen - wenn der Wind schlecht steht, läuft man hindurch, die Gasmaske ist also essentiell
Anfahrt und Aufstieg
Von Banyuwangi aus ist ca. 1 Stunde Fahrt bis Startpunkt der Wanderung. Natürlich kann man sich einen Fahrer organisieren. Noch einfacher und günstiger ist aber wohl die eigene Anreise mit einem Roller. Da es logischerweise bergauf geht und wir zu 2. waren, mieteten wir uns für einen Tag eine größere Maschine: einen Honda PCX. Die Strecke ist trotz Dunkelheit gut zu fahren, eine eigene Anreise also kein Hexenwerk.
Der Zutritt zum Ijen war erst kurz vor unserem Besuch im September 2024 wieder zugelassen worden, da der Vulkan wegen erhöhter Aktivität einige Wochen für Touristen gesperrt war. Weiterhin war auch der Abstieg zu den blauen Flammen untersagt, weshalb wir nicht ganz so früh am Morgen aufbrechen mussten. Die Sonne geht um ca. 5.15 Uhr auf und man benötigt etwas mehr als eine Stunde, wenn man gemütlich hochwanden möchte. Wir waren um 3.15 Uhr vor Ort und hatten genügend Zeit, um uns eine Maske zu leihen und den Eintritt zu zahlen. Natürlich waren natürlich wir nicht die Einzigen und liefen einfach im Schwarm mit den Touren mit. Der Aufstieg war wesentlich leichter als gedacht und führt meist über gut ausgebaute Sandwege. Zum Teil ist es recht steil, aber insgesamt sehr gut machbar. Aber wir wären nicht in Indonesien, wenn sich nicht auch für die unfitteren oder gar faulen Besucher ein kleines Business gefunden hätte. So kann man sich von Locals in einem Wagen, den die als Lamborghini bezeichnen hoch- und herunterfahren lassen.
Die sogenannten Lamborghinis...
Pünktlich zum Sonnenaufgang erreichten wir wir den Kraterrand und suchten uns ein schönes Plätzchen, um diese Show der Natur genießen zu können.
Kawah Ijen im Sonnenaufgang
Sunrise o’clock
Und was für eine Show das war. Der Himmel färbte sich rosa und ließ den Kratersee und die in der Ferne liegenden Vulkane in warmem Licht erscheinen. Deutlich wurde die große Schwefelwolke, durch die wir vorher schon hindurch spaziert waren und von unseren Gasmasken Gebrauch machten sichtbar. Mit der immer stärker werdenden Sonne wurde das Türkisblau des Sees, sowie der gelbe Schwefel in der Mine immer deutlicher. Was für ein Spektakel.
Am Kraterrand war gut was los, es waren einige Touren vor Ort. Um 6 Uhr aber machen die meisten sich langsam auf den Weg bergab. Wir blieben ein wenig länger und konnten diesen wunderbaren Ort noch ein bisschen für uns genießen - ein großer Vorteil, wenn man auf eigene Faust unterwegs ist.
Ab 6 Uhr machen sich die meisten Touren an den Abstieg und es wird wesentlich ruhiger am Kraterrand