… Nicaragua
Auf einen Blick:
Hauptstadt: Managua
Sprache: Spanisch
Währung: Cordoba
Einreisebestimmungen: visumsfreie Einreise für Deutsche bis zu 90 Tagen
Reisezeit: Trockenzeit von November bis April
Nicaragua, kurz Nica steht für mich für Abenteuer wie kein anderes Land, welches ich jemals besucht habe. Wir haben 6 Wochen im Land verbracht und uns absolut verliebt, auch wenn nicht alles immer ganz einfach war.
Nica ist für mich das absolute Backpacker-Paradies, Pauschalurlauber gibt es eigentlich nicht und man findet sich nur unter Gleichgesinnten wieder. Von wilder Pazifikküste bis hin zum Karibiktraum auf den Corn Islands, über Vulkane in ihrer schönsten Pracht ist hier alles geboten. Im Gegensatz zu Panama und Costa Rica ist Nicaragua auch wesentlich kostengünstiger, ein durchschnittliches Doppelzimmer im guten Hostel liegt bei ca. 17-25€ je nach Ort und eine Mahlzeit im Restaurant kriegt man gerne mal für 2-3€.
Schon während meiner ersten Recherche über das Land bevor meine Weltreise überhaupt startete, wusste ich, dass dieses Land mich umhauen würde und ich konnte es kaum erwarten, endlich anzukommen. Ich hoffe, ich kann dir mit meinem Beitrag genau so viel Vorfreude schenken, wie es andere Blogposts für mich taten.
Im Land ist es sehr einfach von A nach B zu kommen, die Strecken sind außerdem meist wirklich kurz und so ist man eigentlich immer in maximal 3 Stunden am Ziel. Bis auf wenige Ausnahmen sind wir immer mit den bekannten gelben Chickenbussen gefahren. Ausrangierte Schulbusse aus den USA, die meist keine Fenster mehr haben, was für einen angenehmen Fahrtwind sorgt. Platz ist auf den Bänken wenig, da sie natürlich für Kinder ausgelegt wurden und den Namen Chickenbus tragen sie wohl, weil man sie nicht selten mit Hühnern oder allem anderen, was man sich kaum ausmalen kann teilt. Irgendwelche Säcke mit Bohnen, Obst oder anderem Handelsgut findet man in einem der gelben Busse eigentlich immer wieder, während auf der Fahrt laute Musik gespielt wird. Ein Erlebnis für sich.
Nicaragua eilt wohl nicht der Ruf als typisches, sicherer Reiseland voraus, was wohl an der imposanten Geschichte und politischen Lage des Landes liegt. Dennoch haben wir uns immer sicher und wohl gefühlt. Es gilt aber auch hier wie in eigentlich allen Hauptstädten Mittelamerikas: Wenn möglich, lieber meiden. Die touristischeren Städte wie Leon oder Granada hingegen sind für Reisende absolut sicher und man wird wärmstens von Locals empfangen.
Wie in allen anderen Lateinamerikanischen Ländern wird natürlich auch in Nicaragua spanisch gesprochen. Hier hatten wir ohne Spanisch um ehrlich zu sein auch die “größten Probleme”. Gar nicht, weil wir uns z.B. bei Busfahrten nicht verständigen konnten, sondern eher weil die Nicos unsere Unwissenheit so natürlich sofort durchschauten und uns gerne mal ein wenig auf den Arm nehmen wollten was Preise und Kosten anging. Um es dir ein wenig leichter zu machen, folgen hier meine Erfahrungen:
Good to know -
ein bisschen Talk unter Reisenden
Die Nicas sind ein super freundliches und offenes Volk, als Gringo (Ausländer) hat man es trotzdem nicht immer ganz leicht, so wurde es das Land, in dem wir auf gut Deutsch am meisten “verar….” wurden. Nicht falsch verstehen, ich liebe das Land, dessen Leute und wunderschöne Natur, aber es wurden uns gerne mal Steine in den Weg gelegt.
Busfahren: man zahlt immer erst im Bus und gerne mal das Doppelte vom Preis, den die Locals zahlen - mein Tipp: nach ganz hinten setzen wie möglich, andere Mitfahrer fragen wie teuer die Fahrt ist oder schauen, wie viel sie bezahlen und das Geld passend bereit halten
bei Strecken von z.B. San Juan del Sur nach Granada muss man oft in Städten wie Managua oder Masaya umsteigen und die Busbahnhöfe liegen immer auf zentralen Marktplätzen, hier herrscht sehr viel Gewusel. Sobald ihr aussteigt, erkennt man euch an eurem Backpack und wird versuchen euch gerne mal zu Fernbussen zu lotzen, die nicht mal in die Richtung fahren, in die ihr müsst (ist uns genau so passiert), nur um das Geld von euch zu kassieren. Sucht euren Bus immer selbst und fragt dabei die Busfahrer!
Obst und Gemüse ist wie in allen tropischen unfassbar lecker, natürlich kauft man das am Besten auf dem lokalen Markt, um die Locals auch zu unterstützen, leider zahlten wir für Obst oftmals extrem viel, einfach weil wir Gringos sind, so dass wir unser Obst letzten Endes im Supermarkt (Pali) kauften und hier deutlich weniger zahlten
und wie mit allen anderen Hauptstädten in Mittelamerika gilt auch hier: Managua einfach meiden, wenn’s geht, wir verbrachten hier aufgrund eines Fluges einen Nachmittag, fühlten uns aber nicht wirklich wohl
Ein Klick entfernt…
San Juan del Sur
San Juan del Sur - kurz SJdS, das Paradies für Surfer an der wilden Pazifikküste Nicaraguas. Unser erster Stopp im Land und ich glaube ich wusste hier vom ersten Moment an, dass dieses Land ganz viel für uns zu bieten hat.
SJdS ist ein kleiner Ort mit nur knapp 8000 Einwohnern, einer kleinen Szene mit Hostels und ein bisschen Party und trotzdem sehr authentisch geblieben. Naja - was heißt ein bisschen Party? Ich glaube für den sogenannten Sunday Funday, einem Pool Crawl ist der kleine Ort in ganz Mittelamerika bekannt. Wenn man aber kein Interesse an Party hat, kann man die allwöchentliche Party aber ganz gut ausblenden. Zumindest erging es uns so. Ansonsten gibt es 2 Straßen direkt an der Promenade mit Hostel, Bars und Restaurants und ganz viel Locallife drumherum.
Und als Mekka des Surfens gibt es natürlich besonders Eines: Wellen! Diese findest du aber hauptsächlich an den etwas außerhalb liegenden Stränden Playa Maderas, Playa Hermosa und Playa Remanso. Um diese zu erreichen bietet das Casa Oro Eco Hostel täglich Shuttlebusse an. Die genauen Abfahrtzeiten kann man sich vor Ort am besten direkt erfragen und ein Ticket für den Bus auch schon einen Tag vorher buchen, um sicherzugehen, dass er nicht bereits ausgebucht ist.
Da wir für die ersten Tage in SJdS auch im Casa Oro unterkamen und unbedingt Surfstunden nehmen wollten, lag es Nahe, diese auch direkt im Hostel zu buchen. Und das kann ich nach 3 genommenen Stunden wärmstens weiterempfehlen. Wir hatten dato nie auf einem Surfboard gestanden und durften von Antonio, einem absoluten Profi lernen. Während der ersten Lesen waren es nur Etienne und ich, so dass Antonios Aufmerksamkeit nur auf uns lag und wir von der Pike auf ganz langsam alles lernen konnten. Bereits während des ersten Males standen wir einige Wellen und konnten bei der 2. und 3. Stunde bereits ein wenig lenken. Und das Beste daran? Es hat wirklich richtig viel Spaß gemacht. Die 1,5 Stunden vergehen wie im Flug. Für eine Anfänger-Lesson haben wir pro Person jeweils 30 US$ gezahlt. Der Preis ist sicherlich in Ordnung, dennoch treibt es den Schnitt vom Tagesbudget schnell in die Höhe. Gerne hätten wir noch mehr Stunden genommen, aber mit dem Hintergedanken an das liebe Budget haben wir das auf später verschoben. Spätestens in Asien werden Lessons bestimmt etwas günstiger angeboten.
Was gibt es außer Party, coolen Hostels und Surfen noch zu bieten in San Juan del Sur? Der Aussichtspunkt mit der Statue Christo de La Misericordia gehört auf jeden Fall auf die Liste. Nach einem kurzen Aufstieg und kleinen Eintrittsgeld von ca. 1,50€ pp kann man einen wunderbaren Blick auf die Bucht von SJdS sowie den Strand Nacascolo genießen.
Noch einmal zurück zu den coolen Hostels im Örtchen. Wir sind im Casa Oro* und im Saltwater Hostel* untergekommen. Letzteres hat nur Dorms, dennoch kann ich beide wärmstens empfehlen. Etwas weiter außerhalb am Playa Maderas findest du außerdem die Hostels Hush Maderas und Selina Maderas, die etwas teurer, aber dennoch sehr beliebt sind.
Während unserer Zeit in SDdS waren wir tatsächlich beinahe täglich zum Dinner im La Reina del Sur. Hier kann man sich 3, bzw. 4 (wenn man auf Fleisch verzichtet) Speisen Buffetartig wählen und zahlt mit Getränkt dazu nur ca. 2,65€. Und es gibt mal eine größere Auswahl als nur Reis und Bohnen, so wie sonst so häufig in Mittelamerika.
Ometepe
Ometepe ist so ein Ort, von dem ich vorher nicht wusste, dass es sowas gibt und vielleicht hätte ich es auch nicht geglaubt, wenn man mir einfach davon erzählt hätte. Stell dir also einen riesigen Binnensee vor in dem Bullenhaie leben, in der du eine Insel findest, auf der 2 Vulkane imposant gen Himmel ragen. Das ist Ometepe. Man könnte jetzt meinen, das sei total romantisiert worden, ist es aber eigentlich nicht. Ometepe ist eine 270 km² große Insel im Nicaraguasee und damit die weltweit größte Vulkaninsel in einem Süßwassersee. Auf der Insel leben knapp 30000 Menschen und ich würde behaupten, jeder würde dir erzählen, dass du ein anderes Gefühl für die Insel hast, abhängig davon, auf welcher Seite du dich befindest. Kurze Erklärung dazu: Man kann sich die Insel vorstellen wie ein Unendlichkeitssymbol und die beiden Rundungen sind die Zwillingsvulkane Maderas und Concepcion, während nur noch Letzterer aktiv ist. Man hat das Gefühl eine Anziehungskraft gehe von den Vulkanen aus, besonders vom aktiven Concepcion und seinem wolkenbehangenen Gipfel konnte ich kaum die Augen lassen.
Schon während der Anreise per Fähre auf die Insel fühlte ich mich von diesem mystischem Charme regelrecht angezogen. Die linke Seite der 8-förmigen Insel mit dem Vulkan Concepcion ist die Erschlossener von beiden Seiten. Hier findet du zum größten Teil geteerte und gepflasterte Straßen und in San Jose del Sur auch den Einzigen großen Supermarkt der Insel. Der rechte Teil der Insel um den erloschenen Vulkan Maderas ist grüner, aber auch wesentlich abgelegener. Die Straßen sind zum Teil unglaublich schlecht oder nur aus Schotter. Supermärkte gibt es keiner außer ein paar kleinere Kiosks. Während meiner Suche für eine Unterkunft zum Verweilen waren mir diese Gegebenheiten leider nicht bewusst und ich buchte ein Bungalow in Merida. Merida ist wirklich weit weg von allem. In der Nachbarschaft gab es nur ein kleines Restaurant und 2 Kiosks. Mit dem jetzigen Stand meines Wissens würde ich eine Unterkunft in Santa Cruz oder Balgüe empfehlen, diese sind gut zu erreichen und es gibt einige kleine Shops und Restaurants.
Die Fähre legt in San Jorge ab und kommt auf Ometepe im größten Ort der Insel San Jose del Sur an. Der Transport auf der Insel ein wenig schwieriger als auf dem Festland. Die meisten Busse z.B. nach Santa Cruz fahren stündlich, einen richtigen Fahrplan gibt es allerdings nicht.
Bei unserer Ankunft hatten wir riesengroßes Glück und konnten den einzigen Bus nach Merida erwischen. Merida liegt auf dem rechten Teil der Insel, der eher weniger gut erschlossen ist, als der linke und hierhin fährt wohl nur ein Bus täglich. Er fuhr um ca. 15 Uhr ab, ich weiß aber leider nicht, ob diese Uhrzeit täglich die Gleiche ist, auf der Insel herrschen einfach andere Gesetze.
Things to do in Ometepe: Hier ist die Liste lang! Um sich aber überhaupt gut fortbewegen zu können, benötigt man auf jeden Fall einen Roller. Rollerverleihe gibt es in jedem Örtchen auf der Insel, da wir unseren aber in Merida gemietet haben, kann ich nur für die Preise von hier sprechen. Zudem hatten wir Glück und ein spanisch sprechender Australier half uns beim Verhandeln des Preises. Pro Tag verlangte unser Vermieter erstmal 35 US$ pro Roller. Eine ganz schöne Hausnummer wenn man kurz bedenkt, dass das Mieten eines Rollers in Asien um die 5€ kostet. Unser Freund handelte den Preis auf 25$ pro Tag runter. Spanischkenntnisse hier also mal wieder von Vorteil.
Ein Erlebnis für sich ist es schon, nur einmal um die ganze Insel zu fahren. Der linke Teil um den aktiven, meist wolkenverhangenen Concepcion ist sehr gut erschlossen, der rechte Teil um Maderas gleicht einem 4x4 Abenteuer. Nur eben mit dem Roller. Vorsicht ist wirklich geboten, den die Piste wird zum Teil wirklich wild. Das Schöne daran, auf eigene Faust unterwegs zu sein ist es aber, dass man immer halten kann, wenn man möchte, denn die Aussichten auf die Vulkane sind wirklich wunderschön. Funfact: An unserem ersten Abend auf der Insel lernten wir im Restaurant eine Einheimische kennen. Sie machte uns mit Ometepe Gesetzen der Straße vertraut. Tiere laufen frei auf der Insel, was aber nicht heißt, dass sie keinen Besitzer haben. Fährt man ein Huhn an, schuldet man dessen Besitzer 200c$. Bei einem Hund sind es schon 500-1000, für ein Schwein 3000 und für ein Pferd 8000c$. Den Knaller liefert hier der Preis für die Kuh. Fährt man eine Kuh an, geht man auf direktem Wege ins Gefängnis. Was daran nun wirklich der Wahrheit entspricht, weiß ich nicht. Wir verbuchen das Ganze einfach unter Funfact.
Einen Besuch wert ist der natürliche Swimmingpool Ojo de Agua. Ein Wasserloch vulkanischen Ursprungs inmitten von Grün. Die perfekte Abkühlung von den tropischen Temperaturen, die auf der Insel ganzjährig herrschen. Für unseren Besuch zahlten wir im Juni 2022 5US$ Eintritt pro Person. Während meiner Recherchen stieß ich allerdings bereits auf einen aktualisierten Eintrittspreis von 10US$, was ich ganz schön happig finde. Ich denke, wenn man wirklich einige Stunden an den Quellen verbringt und diesen hohen Preis somit voll auskostet, ist das in Ordnung. Nur für einmal Vorbeischauen wäre mir dieser Preis um ehrlich zu sein zu hoch.
Auf der to do Liste stehen sollten 2 Strandabschnitte. Zum Einen bietet Punta Jesus Maria eine wirklich schöne und klare Aussicht auf den Vulkan Concepcion.
Zum Anderen ist Playa Mangos ein zurecht beliebter Spot für einen tollen Ausblick. Letzter ist besonders zum Sonnenuntergang wunderschön. Playa Mangos ist allerdings ein Restaurant und verlangt einen kleinen Eintritt für die Aussicht. Oder man trinkt einfach ein Bier.
Beide Vulkane sind übrigens auch zu Besteigen, dies ist individuell möglich, viele nehmen sich aber auch einen local Guide. Maderas gilt als moderate bis schwere Wanderung, während Concepcion nicht nur als schwere Wanderung, sondern als wirklich große Herausforderung angesehen wird. Einige andere Reisende, die wir während unserer Zeit auf Ometepe kennen lernten, nahmen sich dieser Herausforderung an und bestätigten die Thesen. Besonders der letzte Teil zum Gipfel von Concepcion sei voller Geröll und es regnete ununterbrochen, was den Aufstieg sehr rutschig machte. Da wir während der Regenzeit auf Ometepe waren, waren Schauer aber vorhersehbar und wir entschieden uns gegen eine Wanderung auf einen der beiden Vulkane.
Little Corn Island
Schon mal von den Corn Islands gehört? Ich vermute nicht. Genauso ging es mir zumindest, bevor ich mich das erste Mal mit Nicaragua beschäftigt habe. Die Corn Islands sind 2 Inseln, die im karibischen Meer etwa 70km entfernt von der Küste Nicaraguas liegen. Die beiden Inseln tragen die einfallsreichen Namen Big und Little Corn Island und sind DAS Karibik Paradies schlechthin.
Die Uhren ticken hier ein wenig langsamer und zu Essen gibt es gerne mal das, was am jeweiligen Tag frisch gefangen wurde. Ein Resort sucht man hier vergebens. Und das vor allem, weil sie touristisch noch nicht besonders erschlossen sind. Vielleicht auch aus dem Grund, dass eine Anreise nur aus Nicaragua möglich ist. Entweder man nimmt Land und Seeweg über den Ort Bluefields oder den bequemeren Weg per Propellermaschine.
Auf Little Corn gibt es keine Autos oder andere Fahrzeuge, nicht mal richtige Straßen. Um den Hafen gibts es einen gepflasterten Weg, an dem 2 Tauchschulen, inklusive Bar und ein paar kleine Kioske liegen, nördlich führt der Weg ins Dorf der Einheimischen, südlich endet er. Auf der Insel ist aber alles sehr simpel gehalten, auch unsere Unterkunft war nur eine Hütte mit einem Bett und kleinem Bad. Es gab kein Wifi, häufig fiel der Strom aus und wenn wir Glück hatten gabs morgens in der Unterkunft noch einen Kaffee, die Zeiten, wann die Küche geöffnet hatte, waren nämlich ziemlich flexibel. Aber genau das macht die Insel einfach aus.
Die schönsten Strände finden sich im Norden der Insel wieder, wo man ganz easy hinlaufen kann. Entweder man geht am Strand entlang, oder über einen Weg durch die Mitte der Insel. Die Strände gleichen wirklich dem Paradies, wie man sich es vorstellt und da wir zur Regenzeit vor Ort waren, hatten wir sie ganz für uns alleine.
Mehr über das Karibik-Paradies um die Corn Islands findest du im separaten Blogbeitrag.
Granada
Granada ist eine Kolonialstadt an den nordwestlichen Ausläufen des Nicaraguasees und gehört auf jede Nicaragua to do Liste. Und Granada ist vor allem eines: bunt. Und nicht nur das, sie ist auch eine der ältesten Städte in Mittelamerika mit ganz viel Geschichte und Kultur.
Eine solche Stadt entdeckt man am Besten zu Fuß. Besonders schön ist natürlich der Parque Central de Granada um die Kirche Catedral Inmaculada Concepcion de Maria.
Aber auch ansonsten gilt: Sich einfach durch die bunten, belebten Gassen treiben zu lassen und das Geschehen auf den Märkten beobachten. Eine schöne Aussicht auf die Kolonialstadt hat man von der Iglesia Nuestra Sentra de Las Mercedes. Für ca. 1 US$ pro Person kann man den Glockenturm hinauf und die Stadt in ihrer ganzen bunten Vielfalt bestaunen.
Granada liegt inmitten einiger Vulkane und der bis heute aktive Masaya ist einer der wenigen weltweit, dessen glühende Lava man zu Gesicht bekommen kann. Und die Besteigung ist nicht mal anstrengend, so wird man nämlich fast bis an den Kraterrand gefahren. Aufgrund der hohen Aktivität darf man den Vulkan nicht zu Fuß besteigen, sondern muss dafür ein Fahrzeug nutzen, um im Falle eines Ausbruches möglichst schnell entkommen zu können.
Unser Hostel, das Oasis Hostel* (absolute Empfehlung!) bietet mehrmals in der Woche geführte Touren an, diese starten erst am späten Nachmittag, um die Lava nach Sonnennuntergang deutlich erkennen zu können. Nach Ankunft auf dem Vulkan bestiegen wir zunächst einen Aussichtspunkt um den Krater des erloschenen Vulkans San Pedro zu sehen.
Danach ging es wieder runter zum Rand des Masaya und wir bestaunten die Lava in all ihrer Pracht. Auch wenn das Ganze ohne Hike nicht wie ein wirkliches Abenteuer wirkte, war es ein tolles Erlebnis und die 20 US$ pp (Stand Mitte 2022) auf jeden Fall wert. Wie oft hat man schon die Möglichkeit fließende Lava zu sehen?
Zum Schluss noch eine ganz besondere Empfehlung für Granada. Durch Zufall landeten wir in einem Restaurant, welches eher eine Art Homecooking war. Im Comedor Dona Tulita nimmt man quasi im Wohnzimmer der netten Familie platzt und Tulita kocht in ihrer kleinen Küche eben das für dich, was an dem Tag auf der Speisekarte steht. Erst war sie unsicher, weil sie nicht wusste, was sie uns vegetarisches anbieten könnte, aber der Teller, den wir serviert bekamen war reichlich gefüllt mit Reis und Bohnen, einem Käseomelette, frittierten Bananen und Gemüse. Wir waren die einzigen Gäste und wollten am Tag darauf direkt wieder hin. Leider ist es eben kein richtiges Restaurant, so dass die Öffnungszeiten natürlich variieren. Leider hatte Tulita ihre Küche an diesem Tag dann geschlossen. Wenn ihr also ein wenig Zeit in Granada verbringt, schaut hier mal vorbei, die Erfahrung war wirklich schön und das Essen unglaublich lecker. Das Restaurant ist ein wenig versteckt, aber im Grunde genau dort, wo der Standort bei Google Maps markiert ist. Sofern das Restaurant geöffnet ist, wird die Familie euch hinein lotsen.
Wenn man in Granada einen Aufenthalt über mehrere Tage plant, lohnt sich ein Besuch der Laguna de Apoyo, einem wunderschönen Kratersee zu Fuße des Vulkans Mombacho mit glasklarem Wasser.
Auch hier bat unser Hostel Oasis Hostel Tagestouren an, die ich empfehlen würde. Wir entschieden uns nämlich hingegen für einen Aufenthalt im an der Lagune liegenden Hostel Paradiso, empfanden die 3 Nächte aber als zu lang.
Es kam ein wenig Langeweile auf, da außer Baden und Entspannen im Außenbereich des Hostels gar nicht so viel geboten ist. Falls es doch ein längerer Aufenthalt sein soll, kann ich einen Spaziergang in die Stadt Catharina empfehlen. Wir hatten wunderschöne Aussichten auf die Lagune und den anliegenden Vulkan und konnten so richtig ins Local Life abtauchen. Die waren auch wirklich erstaunt uns zu sehen, so oft verirren sich wohl keine Touristen in das kleine Örtchen.
Wer schon mal in Nicaragua oder anderen Ländern Mittelamerikas unterwegs war, der hat ganz bestimmt schon mal von der berüchtigten Treehouse Party gehört. Wie auch der Sunday Funday ist die Treehouse Party irgendwie etwas Besonderes und einen Besuch auf alle Fälle wert. Die Party findet im gleichnamigen Tree House Hostel in der Nähe von Granada statt, genauer gesagt an den Hängen der Vulkane Mombacho. Das Tree House Hostel ist in der Tat eine Art Treehouse auf 2 Ebenen, unten findest du eine Bar, oben Bereiche zum Chillen oder eben zum Tanzen. Es gibt verschiedene Arten von Räumen, ganz fancy kann man in eigenen kleinen Baumhäusern schlafen oder etwas weiter unten am Hang in Dorms oder kleinen Doppelzimmern. “Am Hang” ist hier aber Programm. Um dann zum eigentlichen Treehouse zu gelangen für z.B. Essen und Trinken muss man eine in Felsen gehämmerte Treppe hochklettern. Das hält auf jeden Fall fit.
Die Parties finden jeden Freitag statt. Wir planten einen Besuch bereits 2 Wochen vorher und mieteten uns in eines der einfachen Doppelzimmer für 2 Nächte ein (Freitag bis Sonntag). Tickets zu Party waren bei unserer Buchung inklusive. Vor Ort zu Übernachten ist aber nicht unbedingt notwendig. Vom Madhouse Hostel in Granada fahren mehrere Shuttles zum Treehouse. Die Uhrzeiten der Abfahrten sind 4, 5, 6 und 8PM und werden quasi mit dem Ticket zu Party ausgewählt und gebucht. Tickets sind über die Website des Hostels zu Erwerben, früh sein lohnt sich hier, da sie sich eigentlich immer ausverkaufen. Der Verkauf öffnet jeden Sonntag vor der nächsten Party um 10 Uhr morgens.
Leon
Leon ist eine wunderschöne Kolonialstadt im Westen Nicaraguas und mit knapp 210.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Die Stadt ist auch bekannt als Zentrum der Dichter und der Revolution, so fanden hier tatsächlich die Kämpfe der Revolution im Jahre 1978/79 statt.
Das klingt erstmal nach einer ganzen Menge Historie, die es zu entdecken gibt, für mich ist diese Stadt aber ganz besonders auch eins: Abenteuer. Leon liegt inmitten einer Vulkankette aus 6 Vulkanen, die zum Pazifischen Feuerring gehören. Der wohl bekannteste von ihnen ist auch gleichzeitig der Jüngste: Cerro Negro. Und ich glaube, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass jener für Abenteuerlustige weltweit bekannt ist. Weltweit fast einmalig ist es hier möglich, die schwarze Arsche auf einem Board hinunterzurutschen. Genannt ‘Sandboarding’, quasi kleiner Bruder des Snowboarders, nur dass man nicht steht, sondern sitzt, da es auch so eine kleine Herausforderung ist. Geschwindigkeit erlangt man nur durch richtiges Ausführen der Technik und das ist gar nicht so leicht. Aber dazu später mehr. Leon ist nämlich so viel mehr als nur die Landschaft mit ihren Vulkanen in der Umgebung drumherum. Die Stadt beherbergt so viel Geschichte und Kultur, dass man sie mit einer Free Walking Tour am Besten kennen lernen kann. Die Tour gebucht über ‘Free Walking Tour Leon’ dauerte ca. 2,5 Stunden. Wir tauchten in die Geschichte der Stadt ein, lernten auf dem lokalen Markt über Gerichte und Speisen und beendeten die Tour auf dem Dach der Cathedral de Leon. Zu unserem Vorteil war das Dach frisch weiß gestrichen worden und ein absolutes Highlight. Die Aussichten über die Stadt mit den Vulkanen im Hintergrund waren wunderschön.
Um zum Cerro Negro, der 30km außerhalb Leons liegt zu gelangen, macht man am Besten eine Tour. Es gibt mehrere Touranbieter in der Stadt. Entweder man bucht im Hostel oder direkt bei den Veranstaltern. Wir entschieden uns, im Hostel zu buchen, letzten Endes machten wir die Tour mit “Volcano Day Nicaragua” und können diesen Anbieter auch absolut empfehlen. Die Tour kostete im Mai 2022 30 US$ und startete um 8 Uhr morgens im Hostel ViaVia. Jeder Teilnehmer darf sich direkt ein Shirt aussuchen. Die sind übrigens auch weit über die Grenzen von Nicaragua bekannt, da fast jeder Traveller so eines besitzt. Schon alleine die wackelige Fahrt durch das raue Terrain rund um die Vulkankette war beeindruckend. Die ersten Anblicke auf Vulkane sind fast atemberaubend. Irgendwas haben die doch einfach an sich, oder?
Angekommen bekommt jeder ein Board aus Holz verpasst und dann kommt es erstmal zum weniger spaßigen Teil: Der Aufstieg. Bei knackigen 30°C mit Holzbrett einen 728m hohen Vulkan hochkraxeln.. Versteht sich von selbst oder? Ich muss aber zugeben, unsere Tourguides, die allesamt auch Reisende waren, die für den Veranstalter Freiwilligenarbeit leisteten, wussten uns gut zu motivieren und animieren. Der Aufstieg war dann im Endeffekt halb so wild. Oben angekommen wurde man sowieso direkt mit wahnsinnigen Ausblicken belohnt, da wir einen sehr schönen, klaren Tag erwischten und alle Vulkane in der Kette erkennen konnten. Und wir eben mitten drin.
Zuerst liefen wir auf dem Vulkan noch am Rand entlang, um den Krater des jungen Vulkans zu sehen. Die Farben hatten es in sich: Von rotbraun über schwarz und weiß. Die Natur ist doch einfach immer wieder unglaublich. Danach schlüpften wir in unsere gelben Anzüge und bekamen eine Einweisung. Geschwindigkeit entsteht nur, in dem man sein Board am Seil vorne hochzieht und die Füße möglichst flach in die Asche hält, also parallel zur Oberfläche. Das hört sich wirklich einfacher an, als es ist. Viele sind wortwörtlich im Schneckentempo den Berg hinuntergerutscht, da sie die Technik einfach nicht beherrschten. Aber ganz gleich, ob schnell oder langsam, ein Riesen Spaß war das Boarden für alle.
Wo wir schon bei den Vulkanen sind, mache ich einfach direkt dort weiter mit der Besteigung des Vulkans Telica! Bis heute eines meiner absoluten Highlights der Weltreise. Der 1036m hohe Vulkan ist einer der aktivsten in Nicaragua. Der ist durch einen moderaten Aufstieg sogar ohne geführte Tour zu erreichen. Und genau das taten wir. Wir standen also ganz alleine am brodelnden Kraterrand eines aktiven Vulkans! Zugegeben, das war übertrieben. Gebrodelt hat es nicht, eine Absperrung oder Ähnliches gab es aber auch nicht und die Schwefeldämpfe stiegen uns in die Nase. Das Erlebnis war nach wie vor atemberaubend!
Traut man sich einen Aufstieg alleine nicht zu kann man den Vulkan auch in einer geführten Tour erleben. Während unseres Besuches in Nicaragua beliefen sich die Kosten hierfür auf 45 US$ pro Person.
Las Penitas
Las Penitas war unser letzter Stop in Nicaragua. Das kleine Örtchen am wilden Pazifik ist per 30 Minütiger Fahrt im Chickenbus leicht von Leon aus zu erreichen. Viel los ist im Ort an sich nicht. Was unseren Aufenthalt perfekt gemacht hat, war sicherlich unsere Unterkunft, das Mano a Mano Hostel*. Bis jetzt eine der tollsten Unterkünfte der Reise überhaupt. Das Hostel ist direkt am langen Sandstrand gelegen und hat einfach einen tollen Eibe. Es gibt Doppelzimmer und Dorms, eine Gemeinschaftsküche, aber auch ein kleines Restaurant mit angemessenen Preisen. Die Smoothie Bowl muss man hier unbedingt probiert haben!
Las Penitas ist als Surferort bekannt und viel mehr kann man hier auch ngar nicht machen, da der Ort wirklich klein ist. Ein Besuch ist der dennoch wert, gerade wenn man in Leon grade einen kleinen Aktivurlaub hinter sich und Vulkane bestiegen hat. Die Sonnenuntergänge am Pazifik waren hier außerdem ein Traum und zur richtigen Zeit im Jahr kann man hier Schildkröten beim Eier legen beobachten oder die Babyschildkröten auf ihrem Weg ins Meer begleiten.
Ein paar persönliche Empfehlungen auf einen Blick
La Reina del Sur, San Juan del Sur (Buffet Restaurant)
Comedor Dona Tulita, Granada
Restaurant El Bosque, Little Corn Island
Los Chinitos, Leon (Buffet Restaurant)
Affiliate Links und Kaffeekasse:
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